MeinEssence: Ein Blick hinter die Kulissen der deutschen Parfümmanufaktur

MeinEssence: Ein Blick hinter die Kulissen der deutschen Parfümmanufaktur

Ein Parfüm beginnt nicht immer mit einem fertigen Duft. Manchmal steht am Anfang nur eine Vorstellung: frisch und klar, warm und elegant oder ganz anders als alles, was bereits im Regal steht. Bis daraus ein Flakon wird, den man in den Händen halten kann, sind jedoch viele Entscheidungen nötig. Die MeinEssence GmbH aus Kassel begleitet genau diesen Weg – von einzelnen Produktionsschritten bis zur Entwicklung einer kompletten Parfümmarke.

 

Eine Manufaktur für unterschiedliche Duftideen

MeinEssence arbeitet nach eigenen Angaben mit Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu gehören bestehende Parfümmarken, die ihre Abfüllung auslagern möchten, ebenso wie Gründerinnen und Gründer ohne fertiges Konzept. Auch ein Unternehmen oder eine Stadt kann einen Duft für ein einzelnes Projekt entwickeln lassen, ohne daraus gleich eine eigene Marke machen zu müssen.

Der Umfang der Zusammenarbeit hängt vom Vorhaben ab. Wer bereits eine fertige Duftkomposition und Flakons besitzt, benötigt möglicherweise nur die Abfüllung und Verpackung. Wer bei null anfängt, braucht zunächst Antworten auf grundlegendere Fragen: Wen soll das Parfüm ansprechen? Wie soll es riechen? Und wie soll es aussehen?

 

Schritt 1: Aus einer Vorstellung wird ein Duftkonzept

Bevor eine Duftprobe entsteht, wird die Idee greifbarer gemacht. Ein sommerliches Parfüm könnte beispielsweise an helle Zitrusnoten, frische Luft und leichte Hölzer erinnern. Ein anderer Duft soll vielleicht wärmer, würziger und für den Abend gedacht sein. Solche Beschreibungen helfen dabei, eine gemeinsame Richtung festzulegen.

MeinEssence unterstützt dabei auch Fragen der Markenidentität: Soll der Auftritt zurückhaltend oder auffällig sein? Welche Geschichte soll der Duft erzählen? Und passt die gewünschte Gestaltung zur Zielgruppe?

 

Schritt 2: Parfümeure übersetzen Worte in Duft

Bei der Duftentwicklung setzt MeinEssence laut Unternehmensangaben auf eigene Inhouse-Parfümeure und externe Meisterparfümeure. Besonders eng ist nach Angaben des Unternehmens die Zusammenarbeit mit Christian Carbonnel, der in der Nischenparfümerie auch unter dem Namen Chris Maurice bekannt ist. Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem Düfte für Zoologist und Xerjoff.

Aus der Idee entstehen Duftansätze und Muster. Diese werden gerochen, verglichen und bei Bedarf angepasst. Denn «frisch», «weich» oder «elegant» kann für verschiedene Menschen etwas ganz anderes bedeuten. Erst beim Testen zeigt sich, ob die Vorstellung und der tatsächliche Duft zusammenpassen.

 

Schritt 3: Der Flakon erzählt mit

Ein Parfüm wird nicht nur über den Geruch wahrgenommen. Auch Flakon, Verschluss, Etikett und Schachtel prägen den ersten Eindruck. Eine schwere Glasflasche kann anders wirken als ein schlichter, leichter Flakon; eine reduzierte Verpackung erzählt eine andere Geschichte als eine aufwendig verzierte Box.

MeinEssence kann diese Elemente nach Angaben des Unternehmens gemeinsam mit den Kunden auswählen und gestalten. Bestehende Marken können dabei auch mit ihrem eigenen Design arbeiten.

 

Schritt 4: Abfüllung in Kassel

Ist das Produkt festgelegt, folgt die praktische Umsetzung. In der eigenen Manufaktur in Kassel übernimmt MeinEssence nach eigenen Angaben unter anderem Abfüllung, Etikettierung, das Anbringen von Verschlüssen und die Verpackung. Dazu kommen Kontrollen etwa von Füllmenge und äusserem Erscheinungsbild. Je nach Auftrag können auch Lagerung, Versandvorbereitung und Fulfillment dazugehören.

Für bestehende Parfümmarken ist gerade diese Arbeit interessant: Sie können bestimmte Produktionsschritte auslagern, während sie sich selbst stärker auf Sortiment, Verkauf oder Kunden konzentrieren.

 

Insiderwissen: Warum die Verpackung mehr ist als eine Hülle

In der Parfümgeschichte wurde der Flakon früh zum Teil der Inszenierung. Besonders im frühen 20. Jahrhundert entwickelten Glasgestalter und Parfümhäuser Gefässe, die den Charakter eines Duftes sichtbar machen sollten. Ein bekanntes Beispiel ist die Zusammenarbeit von René Lalique mit dem Parfümeur François Coty. Bis heute beeinflusst diese Idee, wie wir ein Parfüm schon vor dem ersten Sprühstoss wahrnehmen.

 

Wer steckt hinter MeinEssence?

Auf der Unternehmenswebsite stellen sich Deniz mit Schwerpunkt Strategie und Ali mit Schwerpunkt Kreation und Markenaufbau vor. Deniz beschreibt seine Erfahrung in der Parfümbranche, während Ali wirtschaftliches Wissen mit Branding, Marketing und seiner Begeisterung für Düfte verbindet. Das Unternehmen verbindet damit die kreative Arbeit an einer Duftidee mit der organisatorischen Umsetzung bis zum fertigen Produkt.

 

Ein Parfüm entsteht in vielen kleinen Entscheidungen

Was am Ende selbstverständlich wirkt – ein stimmiger Duft in einem passenden Flakon –, ist das Ergebnis vieler Schritte. MeinEssence zeigt, wie unterschiedlich der Weg dorthin aussehen kann: vom einzelnen Abfüllauftrag bis zur Begleitung einer neuen Marke. Für Duftliebhaber ist das ein Blick auf die Arbeit hinter dem Parfümregal. Für Menschen mit einer eigenen Idee macht es sichtbar, welche Fragen zwischen der ersten Inspiration und dem fertigen Produkt liegen.

 

Quellen: MeinEssence – offizielle Website; MeinEssence – B2B und Lohnabfüllung; Zoologist – Interview mit Christian Carbonnel. Ergänzende Unternehmensangaben wurden dem Potencía Journal direkt zur Verfügung gestellt.

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